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K o n z e r t

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JOSEF GABRIEL RHEINBERGER - CHRISTOFORUS OP. 120

Christoforus ist ein 1880 vollendetes Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Josef Rheinberger, das die Legende um den Heiligen Christophorus zum Inhalt hat. Der Text stammt von Rheinbergers Ehefrau Franziska (Fanny) von Hoffnaaß. Der Komponist widmete

das Werk Prinzessin Maria Theresia von Bayern.

 

Da der Heilige Christophorus als Schutzpatron der Reisenden verehrt wird, ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem entlang gefährlicher Reiserouten, wie etwa Gebirgspässen, zahlreiche ihm gewidmete Kapellen und künstlerische Darstellungen finden. Auf einer Reise über den Arlberg sah das Ehepaar Rheinberger diese Werke und hörte die Geschichte von Heinrich Findelkind, der im 14. Jahrhundert zahlreiche Reisende vor dem Tod in den Bergen bewahrt und die Bruderschaft St. Christoph sowie das Hospiz St. Christoph am Arlberg gegründet hatte. Am Ende dieser Reise beschloss Fanny: „Und als es wieder thalwärts ging / Stand eines fest: nicht in den Tod zu gehn / Bevor ein Denkmal dieser Fahrt gesetzt / Im Lied von der Barmherzigkeit / Sanct Christoph beim Hospiz geweiht.“

 

Unter dem Eindruck der Reise dichtete sie das vor allem in gereimten, jambischen Versen gehaltene Libretto zum Christoforus. Dabei verarbeitete sie nicht nur die eigentliche Christophorus-Legende, sondern auch ihre Eindrücke von der Gebirgslandschaft der Alpen.

 

Der Christoforus trug wesentlich zum Ruf Rheinbergers als eines der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit bei. Hermann Kretzschmar zählte vor allem die Szene Satanas ziehet zur Jagd zum „Schönsten und Reichsten, was das 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des geistlichen Oratoriums aufweisen kann“. 

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Werk bereits etwa 150 Mal aufgeführt worden, vor allem im gesamten deutschsprachigen Raum, aber auch in Paris, London und den USA. Nach einer schlechten Kritik anlässlich einer Aufführung in München durch die Musikalische Akademie im Jahre 1901 und dem kurz darauf folgenden Tod des Komponisten geriet das Werk jedoch weitgehend in Vergessenheit – ein Schicksal, das zu dieser Zeit allerdings auch zahlreiche andere Oratorien des 19. Jahrhunderts traf.

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ANTONIN DVORAK - BIBLISCHE LIEDER OP. 99

Entstanden sind die „Biblischen Lieder“ 1894 während Antonin Dvoráks Amerikaaufenthaltes von 1892-1895 in New York, wo er am National Conservatory of Music künstlerischer Direktor und Professor für Komposition war. Die Zeit in Amerika verlief für den tschechischen Komponisten

zunächst erfolgreich. In der Musikforschung werden die „Biblischen Lieder“ als Gipfel von Dvoráks Liedschaffen angesehen. Warum Dvorák im März des Jahres 1894 in New York seine Lieder und nicht wie geplant eine neue Symphonie komponiert, darüber lassen sich nur Mutmaßungen anstellen.

Das Jahr 1893 war in Amerika gezeichnet von starken wirtschaftlichen Einbußen auf dem Weltmarkt, panikartigen Bankanstürmen der Bevölkerung und dem stetig wachsenden Verlust der staatlichen Goldreserven, was im April 1893 eine schwere Wirtschaftskrise in den USA auslöste. Die Folge waren hohe Arbeitslosigkeit, Firmenzusammenbrüche und Verarmung. Dies blieb auch nicht ohne Auswirkungen auf die Präsidentin des New Yorker Conservatory of Music, im November des gleichen Jahres musste sogar der Bankrott des Konservatoriumsprojekts befürchtet werden. Es ist nicht verwunderlich, dass Jeanette Thurber schon bald nicht mehr die finanziellen Mittel besaß, um Dvorák zu bezahlen, der jedoch seine Familie mit sechs Kindern ernähren musste.

Auch aus Europa kommen traurige Nachrichten, innerhalb eines Vierteljahres sterben zwei enge Freunde Dvoráks: Tschaikowski am 6. November 1893 und Hans von Bülow am 12. Januar 1894. Auch Gounod, ein bedeutender Zeitgenosse stirbt am 18. Oktober 1893. Dessen nicht genug, erreicht Dvorák die Kunde aus der Heimat über den gefährdeten Zustand seines bereits achtzigjährigen Vaters, der dann auch am 28. März 1894, zwei Tage nach der Fertigstellung der „Biblischen Lieder“, aus dem Leben scheidet.

Im Mai 1894 kehrt Dvorák in seine Heimat nach Böhmen zurück, um dort seine Ferien in Vysoká zu verbringen. Der erneute Aufbruch nach New York muss ihm nicht leicht gefallen sein. Die Gedanken an die Heimat jenseits des Ozeans lassen den Komponisten nicht los und Heimweh macht sich breit.

Sicherlich haben die äußeren schwierigen Umstände der finanziellen Notlage Dvorák dazu bewogen, sich mit der Komposition der insgesamt zehn „Biblischen Lieder“ auseinander zu setzen, jedoch war es viel mehr der durch Heimweh gezeichnete seelische Zustand des Komponisten, der durch die zwangsläufige Auseinandersetzung mit Tod und Leben Zuflucht und Trost in den Psalmen der Bibel suchte.

Der Zyklus der „Biblischen Lieder“ besteht aus zehn Gesängen für tiefe Solostimme mit Klavierbegleitung. Die ersten fünf Lieder hat Dvorák für kleines Orchester instrumentiert und diese Orchesterfassung 1896 in Prag selbst dirigiert. Die übrigen fünf Lieder wurden von dem damaligen Dirigenten der Tschechischen Philharmonie, Dr. Vilem Zemánek, für Orchester gesetzt und 1914 als gesamter Zyklus uraufgeführt.

Die Texte hat der Komponist selbst aus der tschechischen Bibelübersetzung ausgewählt, die seit dem 16. Jh. in Böhmen gebräuchlich war. Somit sind die „Biblischen Lieder“ ein ganz besonderes Zeugnis eines großen Komponisten, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, umgeben von Weltruhm, auf seine tschechischen Wurzeln besinnt und den tiefsten Gefühlen seines Herzens Ausdruck verleiht. Das Werk Dvoráks hingegen gründet auf unerschütterlichem Glauben und tiefem Vertrauen in Gott, das wie ein Dogma über allen Textpassagen steht. (nach Maria Liebhardt)

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